Debo­rah e.V. Foren All­ge­mei­nes Mein Brief an Pro­Fa­mi­lia

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    Sabrina
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    Der Artikel zum 40. Geburtstag von Pro Familia in Mannheim hat mich sehr aufgewühlt, da ich selbst vor genau einem Jahr Erfahrungen mit dieser „Beratungsstelle" machte, die ich anderen Frauen gerne ersparen möchte.

    Es war mir nicht bewusst, dass das Beratungsgespräch von den Mitarbeiterinnen lediglich als „gesetzlich vorgeschriebenes Gespräch vor einer Abtreibung“ verstanden wird, wie Frau XX im Zeitungs-Interview unumwunden zugibt.
    Ich ging von einer ergebnissoffenen Beratung aus, sonst hätte ich dort keinem Gespräch zugestimmt. Der Beratungstermin ging vom Kindsvater aus, der mich moralisch unter Druck gesetzt hatte, er würde sich das Leben nehmen, wenn ich das von ihm unerwünschte Kind alleine bekäme.
    Der ebenfalls gewagten Aussage, die Frau sei schon entschieden, bevor Sie zur Beratungsstelle käme, kann ich insofern zustimmen, als bei mir vor dem Gespräch bei Pro Familia feststand, eine Abtreibung für mich nicht in Frage käme. Ich hatte gehofft, in der Beratung könnte eine andere Lösung gemeinsam mit dem Kindsvater, der beim Erstgespräch mit erstaunlich langer Redezeit als erster das Wort bekam, erarbeitet werden.
    Was ich stattdessen erfuhr, war nur Entmutigung und Legitimierung eines Schwangerschaftsabbruchs als „verantwortungsvoller“ Weg. Der Kindsvater wurde dafür gelobt, dass er sich seiner Verantwortung nicht entzog, sondern mir bei einer Abtreibung zur Seite stehen wolle.
    Ich bekam als erste Rückmeldung zu hören, ich strahle keine Freude aus, ohne Freude wäre es jedoch schwer, ein Kind auf die Welt zu bringen.
    Auch müsse man sehr genau schauen, wie ich in meinem (verzweifelten!) Zustand dazu überhaupt in der Lage sein könne. Auf meine klare Ansage hin, dass ich als Christin einen Abbruch nicht mit meinem Gewissen vereinbaren könnte, wurde mir die Frage gestellt, ob ich nicht an einen barmherzigen Gott glaube und nicht meine, dass Gott auch die Option „Abtreibung“ in unsere freie Wahl stelle, wenn es sie nun gäbe.
    Von dem Besuch einer anderen (christlich geprägten) Beratungsstelle, für die ich bereits einen Termin gemacht hatte, riet man mir vehement ab. Dort seien Fundamentalisten, das würde mich noch mehr belasten, sollte ich mich gegen das Kind entscheiden. Ich wurde auf dem Beratungsstuhl mehr verunsichert und geschwächt anstatt gestärkt.
    In einem daraufhin folgenden Einzelgespräch fragte ich nach den Möglichkeiten einer Adoption, was zurückhaltend und ausweichend beantwortet wurde.
    Konkrete Hilfestellungen für Alleinerziehende wollte man erst mit mir erörtern, nachdem ich entschieden hatte, das Kind auf die Welt zu bringen. Das finde ich fahrlässig und widersinnig.
    Denn wie soll ich entscheiden, wenn vorher nicht alle Möglichkeiten genannt wurden?
    Abgesehen davon, dass ich nach meinem Kenntnisstand der §218 selbst alle Beratungsstellen zu derlei Informationen verpflichtet!
    Bei einer Fantasiereise sollte ich mir dann nacheinander das Leben mit dem Kind und das Leben nach einer Abtreibung vorstellen. Meine positiven Bilder von dem Leben mit Kind wurde schnellkritisch hinterfragt. Aufgrund meiner Depression (in die mich die Reaktion des Kindsvaters und wohl auch wohl die Hormone getrieben hatte !) müsse man mich davor warnen, das Kind als Partnerersatz zu instrumentalisieren.
    Auch sei es ganz fraglich, wie ich allein mit der Pflege meines Babys allein zurechtkommen würde.
    Nachdem ich im zweiten Teil der Fantasiereise offen meine Befürchtungen, einen Abbruch psychisch nicht zu verkraften, geäußert hatte, wurde wieder (schein-)rationalisiert.
    Laut einiger wissenschaftlicher Studien wäre bereits belegt, dass eine Abtreibung keine psychischen Folgen; auch sollte ich mir stets vor Augen führen, dass das Leben als Alleinerziehende ebenfalls psychisch belastend wäre. Ich erbat mir noch einige Tage Bedenkzeit aus.
    Als ich wieder kam, war die Beraterin, die mich schon kannte und wahrgenommen hatte, dass ich mit der Entscheidung sehr kämpfte, krank.
    Ihre Kollegin hatte den Beratungsschein schon in der Hand, schon ehe sie mich richtig begrüßt hatte. Ich war nach drei Gesprächen bei ProFamilia im Kopf derart verdreht und entmutigt, dass ich mich auf einen Schwangerschaftsabbruch eingelassen habe.
    Danach bin ich nervlich zusammengebrochen und wollte nicht mehr leben.
    Trotz eines längeren Klinikaufenthalts und therapeutischer Betreuung leide ich bis heute an heftiger Trauer – und Schuldgefühlen, Schlafstörungen und Depressionen.
    Frauen, die sich nicht klar für eine Abtreibung entschieden haben, rate ich dringend davon, ein „Beratungsgespräch“ bei ProFamilia in Anspruch zu nehmen. Die Folgen können verheerend sein.
    Diese Beratung hat im Einvernehmen mit den Interessen des Kindsvaters nicht nur mit dazu beigetragen, dass mein Kind jetzt nicht mehr lebt, sie hat auch mein eigenes Leben fast zerstört!
    40 Jahre ProFamilia- ein Grund zum Feiern?
    Ich gratuliere zu 40 Jahren schneller (Schein-)Lösung.

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Antwort auf: Mein Brief an Pro­Fa­mi­lia
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